PETER BARACCHI

© 2017, Peter Baracchi

Ted was here..., 2020

Public Art Project, Gasträume 2020, Münsterhof Zürich

Der in Zürich lebende Konzeptkünstler Peter Baracchi (*1982) befasst sich in seinem Werk häufig mit drängenden gesellschaftlichen Fragen. Anlässlich der Gasträume 2017 hatte er auf dem Altstetterplatz mit Exclusive Society — einem eingezäunten Paradiesgarten im Miniformat — einen prägnanten künstlerischen Kommentar auf den unterschwelligen Rassismus und die restriktive europäische Migrationspolitik formuliert.

Auf dem Münsterhof setzt sich Baracchi nun mit der Digitalisierung und der damit verbundenen Kommerzialisierung des öffentlichen Raums auseinander. Anfänglich setzte Google, das in diesem Bereich führende Unternehmen, ausschliesslich auf eigene Aktivitäten: Man liess mit Kameras ausgerüstete Fahrzeuge durch die ganze Welt fahren («Streetview») oder kartografierte den Planeten mithilfe von Satellitenaufnahmen («Google Earth»).

Seit geraumer Zeit hat Google aber auch ein gewissermassen partizipatives Modell aktiviert, dank dessen die fotografische Erfassung unseres Lebensraums noch detaillierter werden soll. «Photo Sphere» setzt auf die Mithilfe von Smartphone-Nutzern, die ihre Fotos veröffentlichen. So entsteht nach und nach ein intersubjektiver Index — ein Verzeichnis des öffentlichen Raums, der mit individuellen Biografien unterlegt ist. Ted was here fokussiert auf dieses neue gesellschaftliche Phänomen, das nicht nur Fragen des Massentourismus und des öffentlichen Raums tangiert, sondern auch Datenschutz und Überwachung thematisiert.

«Die Aufnahmen vergegenwärtigen das Bedürfnis, sich zu verewigen. Darauf spielt auch der Titel ‹Ted was here› an», sagt Baracchi. «Dabei werden aber auch unbeabsichtigte Spuren hinterlassen: der Schatten der Fotografin, der Schuh eines Passanten.» Diese phantomhaften Überbleibsel sind auf grossformatigen Fahnen sichtbar, dessen dünner, transparenter Stoff sich wie ein digitaler Layer über die analoge Umgebung legt, was unweigerlich die Frage aufwirft: Durch welche Schablone nehmen wir unsere Realität wahr?

Auf dem Münsterhof, einem touristischen Hotspot von Zürich, hat Baracchi an jenen Stellen grosse Betonkugeln platziert, die in der Vergangenheit besonders häufig mit «Photo Sphere» dokumentiert wurden. Durch diese skulpturalen Markierungen lädt er die Passantinnen und Passanten dazu ein, die digitale mit der analogen Wirklichkeit vor Ort zu vergleichen — und sich letztlich auch auf die Frage einzulassen, wie sie künftig mit dem öffentlichen Raum umgehen wollen.