PETER BARACCHI

© 2017, Peter Baracchi

Reflecting Light Rays Off A Rough Surface, 2016

15-teilige Serie aus ‹Concrete Canvas› (Zement-Textil-Faser-Gewebe) und Gletscherwasser Total: 405 x 235 cm, Einzelstücke: 65 x 65 cm

Bewegt und leicht und gleichzeitig massiv und starr wirkt das Ensemble aus fünfzehn weiss- gräulichen Quadratflächen, die in einem rechteckigen Raster an die Wand montiert sind. Böen, Wellen oder Stösse haben scheinbar auf die schlichten ‹Tücher› eingewirkt und sind dort in Form von unregelmässigen Faltenwürfen eingefroren.
Ausgangsmaterial der Objekte war zum einen ein im Bergbau genutztes Textil-Zement-Gewebe genannt ‹Concrete Canvas›. Dieses tuchähnliche und zunächst flexible Material kann unter Einfluss von Wasser an eine bestimmte Oberfläche angeglichen werden, bevor es im Trocknungsprozess formgetreu aushärtet. Zum anderen waren die Gletscher der Schweizer Alpen massgeblich am Produktionsprozess von Baracchis neuer Serie beteiligt.
Die vermeintlich ewigen Eismassen werden in Europa seit einigen Jahren mit speziellen Vliesen abgedeckt, um sie temporär und lokal vor dem Wegschmelzen zu schützen. Es versteht sich von selbst, dass eine solche Symptombekämpfung das eigentliche Problem nicht lösen kann. Die behelfsmässigen ‹Rettungsmassnahmen›, denen etwas Tragikomisches anhaftet, hat Baracchi in seiner neuen Werkserie im kleinen Format imitiert und so ad absurdum geführt.
Ausgerüstet mit handlichen Rollen von besagten Zementtextil ist der Künstler auf den Gletscher gestiegen, wo er inmitten der theatralischen Kulisse des vliesbedeckten Eises eine stille Performance aufgeführt hat: Er hat seine Matten an ausgewählten Stellen ausgelegt, sie mit Gletscherwasser getränkt, und sie so dem Relief der Eisschicht angeschmiegt. Nach 24 Stunden hatte die Lichteinstrahlung der Höhensonne die ‹rauen Oberflächen› fertig modelliert, die ausschnitthaften Abdrücke des Gletschers waren gehärtet und konnten geerntet werden.
Nun hängen sie als geheimnisvoll dynamisierte Objekte im Raum, als ‹Momentaufnahmen› einer nun dahingeschmolzenen Eisskulptur und als Referenz an eine Form der ‹Problemlösung›, die für die westliche Konsumgesellschaft geradezu exemplarisch scheint.

Text: Deborah Keller